{"id":258,"date":"2017-12-29T10:37:13","date_gmt":"2017-12-29T09:37:13","guid":{"rendered":"http:\/\/nonobillag.ch\/?p=258"},"modified":"2017-12-29T10:37:13","modified_gmt":"2017-12-29T09:37:13","slug":"der-einzige-plan-b-im-falle-einer-annahme-von-nobillag-ist-ein-geregelter-abbau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nonobillag.rhaps.com\/index.php\/2017\/12\/29\/der-einzige-plan-b-im-falle-einer-annahme-von-nobillag-ist-ein-geregelter-abbau\/","title":{"rendered":"\u00abDer einzige Plan B im Falle einer Annahme von NoBillag ist ein geregelter Abbau.\u00bb"},"content":{"rendered":"<p>Der SRG-Direktor Gilles Marchand ist dabei, den Liquidationsprozess im Falle einer Annahme von \u00abNo Billag\u00bb vorzubereiten. Er sagt, welche Fragen ihn derzeit umtreiben. Nina Fargahi und Alain Maillard von der <a href=\"https:\/\/www.edito.ch\/dossiers\/no-billag\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Medienzeitschrift EDITO<\/a> haben mit ihm gesprochen.<\/p>\n<div id=\"attachment_260\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-260\" src=\"http:\/\/nonobillag.rhaps.com\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/gilles_marchand_RTS-300x178.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"178\" class=\"size-medium wp-image-260\" \/><p id=\"caption-attachment-260\" class=\"wp-caption-text\">SRG-Direktor Gilles Marchand (Bildquelle: RTS)<\/p><\/div>\n<p><em>EDITO: Die Kampagne \u00abNo Billag\u00bb ist in vollem Gang und der SRG sind aufgrund ihrer politischen Neutralit\u00e4t die H\u00e4nde gebunden. K\u00f6nnen Sie uns etwas \u00fcber die Strategie der SRG erz\u00e4hlen?<\/em><\/p>\n<p>Gilles Marchand: Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir die \u00f6ffentlichen Mittel nicht f\u00fcr eine Kampagne einsetzen, aber andere werden f\u00fcr uns sprechen. Sp\u00e4testens ab Januar werden sich \u00adeinige weitere Institutionen und Organisationen gegen \u00abNo Billag\u00bb einsetzen, um die Konsequenzen in verschiedenen Bereichen darzulegen: Sport, Kultur, Film, Volksmusik, Schulen, Wissenschaft und so weiter. Alle diese Kreise sind von der Abstimmung betroffen und ich hoffe, dass sie nicht schweigen werden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>Es gibt viele Stimmen, wonach die Annahme der Initiative keine Katastrophe w\u00e4re. Wie erkl\u00e4ren Sie sich diesen Relativismus?<\/em><\/p>\n<p>Es gibt zwei Gruppen: Diejenigen, die die Radikalit\u00e4t der Initiative noch nicht verstanden haben. Und diejenigen, wie zum Beispiel einige private Akteure, die mit uns vermeintlich konkurrieren. Sie sind der Ansicht, dass eine schw\u00e4chere SRG ihre Situation st\u00e4rken w\u00fcrde. Das ist ein Fehler in der Analyse, denn ohne SRG verlieren alle.<\/p>\n<p><em>Auch Bundesrat Ueli Maurer sagt, die Schweiz w\u00fcrde nicht untergehen bei einer Annahme.<\/em><\/p>\n<p>Nein, die Alpen werden noch stehen. Es w\u00e4re aber der Untergang einer bestimmten Idee von der Schweiz, die in ihre unterschiedlichen Sprachen und Kulturen investiert. W\u00fcrde es in der italienischsprachigen Schweiz ein Radio und Fernsehen geben ohne geb\u00fchrenfinanzierte SRG? In der Romandie? In der r\u00e4toromanischen Schweiz? Es ist sehr wichtig, dass es Journalismus gibt in unserem Land, der sich keinem wirtschaftlichen oder politischen Druck beugen muss. Die SRG stellt dies heute sicher.<\/p>\n<p><em>Kritiker monieren, dass keine Debatte \u00fcber den Service public stattfindet.<\/em><\/p>\n<p>Das ist eine \u00abUrban Legend\u00bb. In meinem Presseservice \u00aderhalte ich alles, was \u00fcber die SRG geschrieben wird. Ich glaube, in kaum einem anderen Land in Europa wird so viel \u00fcber den Service public geschrieben, diskutiert und debattiert \u2013 seine Rolle, seinen Umfang, seine Finanzierung, seine Beziehung zu privaten Akteuren und so weiter. Aber ich stimme den Kritikern zu, dass diese Debatten besser organisiert werden sollten. Das ist auch der Grund f\u00fcr das Projekt \u00abContribution to Society\u00bb, das die SRG nach der Abstimmung lancieren wird. Es geht darum, den Dialog zu strukturieren, konstruktiv zu gestalten und zu pr\u00e4sentieren. Wir werden noch lange \u00fcber den Service public sprechen, und das ist gut so.<\/p>\n<p>Der Vorteil der gegenw\u00e4rtigen Situation ist, dass sich die ganze SRG selbst hinterfragt. Es gibt einen Wunsch nach Ver\u00e4nderung, auch wenn wir am 4. M\u00e4rz gewinnen. Das Unternehmen hat verstanden, dass es nicht statisch bleiben kann; mein Job wird es auch sein, nach der Abstimmung neue \u00adL\u00f6sungsvorschl\u00e4ge auf den Tisch zu bringen.<\/p>\n<p><em>K\u00f6nnen Sie sagen, wie diese L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge aussehen werden?<\/em><\/p>\n<p>Das werden wir zu gegebener Zeit tun. Vorderhand konzentrieren wir uns voll und ganz auf unseren Auftrag, gute und unabh\u00e4ngige Programme f\u00fcr alle Altersklassen in allen Sprachregionen der Schweiz zu machen.<\/p>\n<p><em>Warum sind Sie nicht bereit, Forderungen nachzukommen wie zum Beispiel der Austritt aus Admeira?<\/em><\/p>\n<p>Wer sagt, dass die SRG nicht bereit ist, Forderungen nachzukommen? Die Frage ist, wo und wie. Nehmen wir zum Beispiel die Service-public-Konferenz des Verbandes Schweizer Medien von Mitte November in Bern. Es herrschte ein de-struktives Klima und in einem solchen Kontext ist keine ernsthafte Diskussion m\u00f6glich. Schliesslich ging es nicht darum, einen Weihnachtskalender zu pr\u00e4sentieren. F\u00fcr pragmatische und professionelle L\u00f6sungen, ob im kommerziellen oder inhaltlichen Bereich, bin ich immer offen.<\/p>\n<p><em>Sind also keine spektakul\u00e4ren Ank\u00fcndigungen vonseiten der SRG im Vorfeld der Abstimmung zu erwarten?<\/em><\/p>\n<p>Alles ist m\u00f6glich. Wir sind fortlaufend mit den Verlegern zu diversen Themen im Gespr\u00e4ch. In der Westschweiz haben RTS und die Privaten zum Beispiel eine Charta der Zusammenarbeit unterzeichnet; diese Form der Zusammenarbeit w\u00e4re vielleicht auch in der deutschsprachigen Schweiz denkbar.<\/p>\n<p><em>Sie haben noch nicht erw\u00e4hnt, dass \u00abNo Billag\u00bb das Ende der SRG bedeuten w\u00fcrde.<\/em><\/p>\n<p>Seien wir uns dar\u00fcber klar: Falls die Initiative angenommen wird, w\u00fcrde dies das Ende der SRG bedeuten. Daran gibt es gar keine Zweifel.<\/p>\n<p><em>W\u00e4re es nicht denkbar, dass die SRG eine neue Konzession erh\u00e4lt, die ihr mehr kommerzielle Ressourcen \u2013 Werbung im Radio, im Internet \u2013 erlaubt?<\/em><\/p>\n<p>Meine Antwort ist nicht politisch, sondern berufsbezogen. Es ist unm\u00f6glich, ohne \u00f6ffentliche Mittel das SRG-Angebot in allen Sprachregionen am Markt zu finanzieren. Vielleicht g\u00e4be es da und dort ein paar aufstrebende Initiativen oder thematische Kan\u00e4le, die irgendwie in einer Sprachregion \u00fcberleben k\u00f6nnten. Zum Beispiel ein beliebter Musikkanal in St. Gallen oder \u00c4hnliches. Aber die SRG gem\u00e4ss heutiger Definition ist ein vollst\u00e4ndiger Dienst f\u00fcr die gesamte \u00d6ffentlichkeit, die nicht fortbestehen k\u00f6nnte mit der Annahme von \u00abNo Billag\u00bb.<\/p>\n<p><em>Es k\u00f6nnte ein neuer Verein entstehen, der eine Konzession mit einem \u00f6ffentlichen Dienstleistungsauftrag h\u00e4tte?<\/em><\/p>\n<p>Wie stellen Sie sich ein \u00f6ffentliches Dienstleistungsmandat ohne \u00f6ffentliche Finanzierung vor? Jeder Private wird Ihnen sagen: Wenn ich kein \u00f6ffentliches Geld habe, m\u00f6chte ich niemandem gegen\u00fcber rechenschaftspflichtig sein und nur dort investieren, wo es rentiert. Warum sind die 34 Radio- und Fernsehsender, die Geb\u00fchrengelder erhalten, so sehr besorgt? Weil sie auf die Finanzierung angewiesen sind, die von der Lizenzgeb\u00fchr kommt, und ihre Konzession beinhaltet ebenfalls Rechte und Pflichten im Bereich des Service public.<\/p>\n<p><em>Also arbeiten Sie nicht an einem Plan B?<\/em><\/p>\n<p>Der einzige Plan B im Falle einer Annahme von \u00abNo Billag\u00bb ist ein geregelter Abbau. Das heisst, innerhalb von wenigen Monaten m\u00fcssten wir die K\u00fcndigungen organisieren und die Einrichtungen aufl\u00f6sen. Damit k\u00f6nnen wir nicht bis zum \u00ad5. M\u00e4rz zuwarten; diesen Liquidationsprozess m\u00fcssen wir mit dem Bund vorbesprechen.<\/p>\n<p><em>Bef\u00fcrworter der Initiative sagen, Sie w\u00fcrden den Teufel an die Wand malen.<\/em><\/p>\n<p>Die Vorbereitungen, um ein Unternehmen mit 6000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufzul\u00f6sen, sind sehr schwierig und belastend. Glauben Sie mir, das ist kein Spiel, sondern eine schwere Verantwortung. Eine SRG ohne \u00f6ffentliche Finanzierung ist nicht m\u00f6glich. Keine Unterst\u00fctzung mehr f\u00fcr Musik und Film, keine Dokumentarfilme, keine Leistungen mehr f\u00fcr sinnesbehinderte Mitmenschen\u2026 Das Unternehmen m\u00fcsste liquidiert werden.<\/p>\n<p>Die Frage ist, wie und in welcher Reihenfolge. Wird es eine sofortige Insolvenz sein oder ein fortschreitender Abbau? Wie sieht es mit einem Sozialplan aus? Es gibt viele Fragen, die gekl\u00e4rt werden m\u00fcssen. Die Schweizer Medienszene m\u00fcsste sich von dieser Katastrophe erst wieder erholen und neu erfinden.<\/p>\n<p><em>Sind Sie heute mehr beunruhigt als zu Ihrem Dienstbeginn?<\/em><\/p>\n<p>Nein. Ich habe die Stelle im Wissen um die kommenden St\u00fcrme angenommen und kenne die Situation von innen. Was ich mit etwas mehr Sch\u00e4rfe neu entdecke, ist das Beziehungsklima gegen\u00fcber der SRG in der Deutschschweiz. In der Romandie ist die Beziehung zum Service public anderer Natur: Dort ist man enger mit der SRG als Institution verbunden, die man auch als Ausdruck des kollektiven Zusammenhalts versteht. Das hat historische, soziologische und kulturelle Gr\u00fcnde.<\/p>\n<p><em>Inwiefern greifen in diesem Zusammenhang rationale Argumente \u00fcber die Konsequenzen von \u00abNo Billag\u00bb, wie Sie sie formulieren?<\/em><\/p>\n<p>Die \u00dcberzeugungsarbeit muss auf verschiedene Arten gleichzeitig stattfinden. Einerseits muss man die Fakten klar nennen, wie zum Beispiel: \u00dcber 13\u2005000 Vollzeitstellen h\u00e4ngen in der Schweiz direkt oder indirekt vom medialen Service \u00adpublic ab und w\u00e4ren im Falle einer Annahme der Initiative \u00addirekt oder indirekt bedroht. Andererseits gibt es auch emotionale Argumente: Viele Schweizerinnen und Schweizer sind schliesslich mit SRG-Sendungen aufgewachsen.<br \/>\nzur\u00fcck<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel ist in der Zeitschrift EDITO 06\/2017 erschienen. Ein Dossier zu NoBillag wurde unter <a href=\"https:\/\/www.edito.ch\/dossiers\/no-billag\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.edito.ch<\/a> publiziert.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der SRG-Direktor Gilles Marchand ist dabei, den Liquidationsprozess im Falle einer Annahme von \u00abNo Billag\u00bb vorzubereiten. Er sagt, welche Fragen ihn derzeit umtreiben. Nina Fargahi und Alain Maillard von der Medienzeitschrift EDITO haben mit ihm gesprochen. EDITO: Die Kampagne \u00abNo Billag\u00bb ist in vollem Gang und der SRG sind aufgrund ihrer politischen Neutralit\u00e4t die H\u00e4nde gebunden. K\u00f6nnen Sie uns etwas \u00fcber die Strategie der SRG erz\u00e4hlen? Gilles Marchand: Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir die \u00f6ffentlichen Mittel nicht f\u00fcr eine Kampagne einsetzen, aber andere werden f\u00fcr uns sprechen. Sp\u00e4testens ab Januar werden sich \u00adeinige weitere Institutionen und Organisationen gegen \u00abNo Billag\u00bb einsetzen, um die Konsequenzen in verschiedenen Bereichen darzulegen: Sport, Kultur, Film, Volksmusik, Schulen, Wissenschaft und so weiter. Alle diese Kreise sind von der Abstimmung betroffen und ich hoffe, dass sie nicht schweigen werden. <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/nonobillag.rhaps.com\/index.php\/2017\/12\/29\/der-einzige-plan-b-im-falle-einer-annahme-von-nobillag-ist-ein-geregelter-abbau\/\">mehr lesen&#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-258","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-neinzunobillag"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/nonobillag.rhaps.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/258","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/nonobillag.rhaps.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/nonobillag.rhaps.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nonobillag.rhaps.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nonobillag.rhaps.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=258"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/nonobillag.rhaps.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/258\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/nonobillag.rhaps.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=258"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/nonobillag.rhaps.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=258"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/nonobillag.rhaps.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=258"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}